Es war das lang ersehnte Auswärtsspiel. Die Austria in Madrid. 1.200 Austrianer brennten bereits darauf. Die Reise war auch lange sehr schön, doch am Schluss wurde es zur Farce. Da hier so viel passiert ist, passt das nicht in einem Spielbericht rein als Randnotiz, sondern erfordert einen eigenen Beitrag.
Der Ablauf klang eigentlich recht gut organisiert. In der Früh los fliegen, Mittags in Madrid, dann entweder Stadtrundfahrt oder Freizeit, dann Treffpunkt am Plaza Mayor, Marsch zum Stadion, Spiel anschauen, Bustransfer zum Airport und wieder heim und lange lief alles gut. 5 Uhr morgens auf, 7 Uhr am Airport, eingecheckt und locker runter geflogen. Die Stadtrundfahrt war zwar nicht die Beste, aber es war in Ordnung. Die Besichtigung des Bernabeu war zwar zeitlich gesehen etwas eng, aber man konnte trotzdem ruhig durch das Stadion schlendern. Bis dahin war alles recht gut. Dann etwas Freizeit, man suchte sich war zum essen und zum trinken, sah sich die Gegend rund um das Plaza Mayor an und versammelte sich dann dort.
Die Stimmung am Plaza Mayor war richtig gut. Es wurden immer mehr Veilchen und die Stimmung wurde auch immer besser. Als dann die Meldung kam, dass die Polizei uns erst ab 19 Uhr los gehen lassen würde, kamen schon erste Stimmen auf, die sich in Madrid bereits auskannten, dass sich dies kaum ausgehen kann. Es verzögerte sich dann noch mehr, nach dem Gruppenfoto aber ging es dann doch um 19:15 Uhr endlich los. Der Marsch war größtenteils absolut friedlich und machte einfach Spaß. Mich erwischte zwar eine am Boden liegende Bengale etwas, und so habe ich kleinere Brandflecken am Rücken, aber das ist alles nicht so schlimm. Der Marsch war aber lange und der Blick auf die Uhr verriert schon die ersten Probleme. Und dann ging die Tortur richtig los.
Um 20:25 Uhr standen wir vorm Stadion, ich hatte das Glück beim Marsch recht weit vorne gewesen zu sein, denn die Polizei sperrte die Brücke zum Stadion ab, ließ immer nur einen kleinen Block durch und tastete da schon alle Leute ab. Hat man das endlich geschafft, stand man der nächsten Kontrolle. Und die waren absolut überfordert. Der Kontrolleur kam auf mich zu, griff mir 3 mal in den Genitalbereich und drückte mir überall mit starker Kraft in den Körper rein. 2 große blauen Flecken blieben mir über. Doch ich blieb ruhig. Die Austria hatte in Spanien bereits einen gewissen Ruf dank Bilbao und mir war klar, dass hier alles etwas härter werden wird. Ich hatte auch einen Rucksack bei mir. Darin befand sich ein Schal, ein Pullover, unser Fetzn, ein Klebeband und mein Reisepass. Dieser wurde nach einer ausgreiferei dann auch untersucht. Ich machte den Herren alles auf, er holte alles raus und dann ging es los. Der Fetzn flog zur Seite, das Klebeband schmiss er generll gleich weg und meinen Rucksack wollte er mir nicht mehr geben. Da wurde ich dann auch etwas unhöflich. Nach Diskussionen, dass ich meinen Rucksack brauche und ich meinen Reisepass nicht aus der Hand gebe, er aber nicht nachsichtig war, riss ich ihm einfach meinen Rucksack aus der Hand, hob den Fetzn hoch und ging nach oben. So bin ich normalerweise nicht, aber mir reichte es. Unsere weibliche Begleitung sprach übrigens von sexueller Belästigung bei den Kontrollen, schien wohl kein Einzelfall zu sein.
Im Sektor war es auch recht ungemütlich. Die ganze Zeit liefen Polizisten herum, versammelten sich, diskutierten, gingen wieder weiter. Hier war die ganze Zeit was los. Was genau im Sektor vor sich ging, weiß ich nicht. Nur Fanordner Joe war auch die ganze Zeit unterwegs. Doch von Deeskalation haben die Beamten wohl auch noch nichts gehört. Nach dem Spiel durften wir noch 45 Minuten warten, dann ging es raus und per Bus zum Flughafen.
Bis dahin war alles noch soweit so gut. Ich fühlte mich zwar nicht wie ein Mensch behandelt und etwas diskriminiert, aber als Fussball Fan, gerade als Austria Fan wird man das Ganze auch auswärts gewöhnt. ICh dachte mir, es ist vorbei und es war doch ein schöner Ausflug, doch dann kam noch das Beste. Am Flughafen angekommen warteten gute 800 Veilchen auf das Einchecken. Doch es ging nichts weiter. Anscheinend gab es gröbere technische Probleme. Und dann ging es zu wie auf der Wall Street. Die Bordingkarten waren ausgedruckt und die Namen wurde geschrieen. Der was dran war, durfte sich durch 800 Leute kämpfen, damit er zu seinem Ticket kam und durfte teilweise sogar noch beweisen, wer er ist. Ich hatte das tolle Glück einer der Letzten zu sein, dessen Name gerufen wurde. Nach einer Stunde in diesem Chaos, hatte ich soviel Körperkontakt wie noch nie, war durchgeschwitzt am ganzen Körper und nun tat mir erst recht alles weh. Dann marschierte man zu seinem Gate und war froh, endlich da zu sein. Dann gab es einen Gate Wechsel, wieder konnte man durch den Airport hatschen. Es war schon 2 Uhr morgens, das Flugzeug sollte schon eine halbe Stunde in der Luft sein und wir standen noch immer beim Gate. Bei Abrisssystem ging es dann langsam los, das ein paar durch das Gate durften. War man da durch, war es noch immer nicht zu Ende. Denn dann ging die Warterei auf den Bus los. Irgendwann nach gefühlten Jahren stand man dann vor dem Flugzeug, konnte einsteigen und endlich sitzen. Der Flug war dann sehr kurz, da fast alle geschlafen haben und der Pilot gab Vollgas, denn wir holten beim Flug sehr viel Zeit wieder auf und um kurz vor 5 Uhr war man wieder in Wien am Flughafen - endlich!
Die Reise war eigentlich toll. Man sah die Stadt, das Wetter war traum, man traf sehr viele Leute, der Marsch war sehr genial. Das man im Stadion Probleme haben werden mit den Kontrollen war zu erwarten, obwohl so schlimm hätte ich es nicht gedacht. Organisatorisch war das ein Albtraum von den Beamten, denn man fliegt extra nach Madrid und sieht 1/3 des Spieles nicht, wenn man im Marsch etwas weiter hinten war, und das ist einer Königsklasse nicht würdig. Was dann am Airport in Madrid geschah, war einfach nur mehr unter aller Sau. Teilweise fühlte man sich nicht mehr als Mensch, sondern als irgendein Abschaum. Aber wir sind trotzdem wieder in einem Stück daheim angekommen und ich hoffe und schätze auch einmal, das Porto da schon etwas ruhiger und besser Ablaufen wird. Denn wenn nicht, dann muss man die Reiseleitung stark hinterfragen.
Wir ihr merkt, Madrid war aufregend, teilweise sogar etwas zu sehr ... see you am Samstag im Horrdome
Mit violetten Grüßen
Hungry
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Du möchtest uns etwas zu diesem Blog mitteilen ? Nur zu, wir beissen nicht.